Bericht zum Treffen 1999

13. VBR-Pensionistentreffen 30. September bis 2. Oktober 1999
Nabburg/Hofenstetten – Oberpfalz

„Wir waren noch nie in der Oberpfalz – Wir haben dieses Stück Bayern noch nicht gekannt – Wir sind überrascht, wie schön es hier ist und was es da zu sehen gibt“ -so der Tenor in Bekundungen von freudig überraschten Teilnehmern aus ganz Bayern. „Bayern erleben“ – nicht nur der BR macht’s möglich mit einer Video Edition, sondern auch die VBR mit Begegnungen ihrer Ruheständler nebst Anhang.
Zu dem 1987 im VBR-Landesvorstand beratenen Vorschlag, „Pensionistenkontakte auf- und auszubauen“, hatte der VBR–Ehrenvorsitzende Josef Kreuzer das zur Umsetzung nötige Temperament und Organisationstalent als Betreuer. 1987 begann er die jährlichen Treffen mit neun Kollegen und deren Frauen in Bad Steben und setzte sie mit immer mehr Teilnehmern fort in Füssen, Parsberg, Rothenburg, Fürth am Berg, Eichstätt, Mespelbrunn, Grafenau, Hersbruck, Kreis Bamberg, Schongau, Weißenburg und zuletzt in Nabburg. Dieses „Zuletzt‘ war nicht nur von den 54 Besuchern wörtlich zu nehmen, sondern auch vom Landesverband. Dessen Vorstand hatte bereits in der Hauptversammlung im April in Donauwörth der Bitte seines agilen Mitarbeiters Josef Kreuzer entsprochen, ihn aus Altersgründen von seiner Aufgabe zu entbinden. In Nabburg bekräftigte die Pensionistengruppe den Dank und die Anerkennung des Verbandsvorsitzenden Werner Reil an den verdienstvollen Kollegen, ebenso an seinen Nachfolger Manfred Gruber für die Bereitschaft, die hoch geschätzte Aufgabe fortzuführen. Kreuzers Fußstapfen halte er zwar für sich als zu groß und sein überschäumendes und ermunterndes Temperament für einmalig, schränkte der Neue die Erwartungen ein. Er habe aber dem Auftrag in der Überzeugung zugestimmt, dass man diese bewährte Einrichtung „nicht einfach fallen lassen durfte“. Dazu erbat Gruber die Mithilfe aller. Mit Blumen dankte er Bärbel Kreuzer als der „schattengleich immer helfenden Hand ihres Mannes“. Dank und Glückwünsche sprach auch der VBR-Ehrenvorsitzende Rudolf Bernreuther dem alten und dem neuen Betreuer aus.

Dem Nabburger Kollegen Wolfram Eckstein, unterstützt von seiner Frau Margit und von Josef Kreuzer, war es mit einem umsichtig vorbereiteten Programm gelungen, den Teilnehmern des Treffens die von (noch) gesunder Natur, kulturellen Schätzen und wechselvoller Grenzlandgeschichte geprägte mittlere Oberpfalz nahe zu bringen. Der Zusatz ‚.zu Gast in der Natur“ im Logo des Viersterne-Landhotels Birkenhof in Hofenstetten umschrieb trefflich die äußeren Voraussetzungen. Innere Bezüge wuchsen bei Empfängen, Besichtigungen und Führungen, über die hier aus Platzgründen nur andeutend berichtet werden kann.
In der Realschule Nabburg hatten die VBR-Kollegen RSR Ernst Röhl und RSK Ernst Hermann einen freundlichen Empfang vorbereitet. Ein Helferteam mit Annemarie Haslbeck, Jutta Bemmerl, Maria Luise Pfeifer und Bernhard Grill bewirtete die Gäste vorzüglich mit Kaffee und Kuchen. Eine von Alexander Meiler geleitete kleine Band unterhielt die Besucher in dezentem Stil , u.a. sinnigerweise mit der Songmelodie “ Yesterday‘. 27 Jahre, davon elf Jahre als Leiter, war Wolfram Eckstein an dieser Schule tätig gewesen. Daran erinnerte sein Nachfolger mit Dank und Anerkennung. Herzlich begrüßte er auch den früheren MB Georg Klug (Regensburg) als Mitbegründer der Schule vor 40 Jahren. Zum Jubiläum auf dem „Bildungshügel“ soll ihr der Name „Naabtalrealschule“ verliehen werden. Mit Lob und Stolz erwähnte der Schulleiter die regsame SMV, die im Lauf der Jahre beträchtliche Spenden für Projekte in Ländern der Dritten Welt aufgebracht und Kontakte entwickelt hat.

Den Besuch aus ganz Bayern empfand Nabburgs Bürgermeister Josef Fischer als „besondere Ehre“. Im neuen Sitzungssaal des Rathauses stellte er die „über tausendjährige, wehrhafte, an einer Handelsstraße im Mittelalter reich gewordene Stadt“ vor. Dieses Charakterbild wird besonders durch die 1985 begonnene Altstadtsanierung bildschön aufgefrischt. Die Altstadt thront hinter dem Mauerring auf einer Bergnase oberhalb der Naab, überragt von der Stadtpfarrkirche „St. Johannes der Täufer“ (14. Jh.) und vom historischen Rathaus. Die Vorstadt „Venedig“ (etymologisch auf eine „Indische“ Siedlung im Talgrund verweisend) birgt als Kleinod die Nikolauskirche, eine romanische Hallenkirche aus dem 12. Jahrhundert. Sie war einst als Handelskirche für die Stadtentwicklung bedeutend. Nabburg ist eine Schulstadt, hat einige gut arbeitende Industrien und unterhält ein Stadtmuseum und ein „Künstlerhaus“. Ein besonderes Festspektakel ist alle zwei Jahre ein mittelalterlicher Markt mit kostümierten Bürgerinnen und Bürgern, Musik, Handel, Gauklerei und Gaudium. Der Bürgermeister lud zum Fest am 15./16. Juli 2000 herzlich ein. Zur Erinnerung an das VBR-Treffen überreichte er den Stadtwimpel mit Wappen.

Imposante Eindrücke von Ausmaß und Produkten eines weltweit orientierten Wirtschaftsunternehmens vermittelte eine Führung durch einen Teilbereich der Firma Agrob Buchtal Keramik, Werk Schwarzenfeld der Deutschen Steinzeug AG. Bei einem Rundgang mit Schulungsleiter Rudolf Schweiger und einem Werkmeister erlebten die Besucher die Herstellung von Fliesen aus dem in ferner Urzeit entstandenen Grundstoff bis zum Endprodukt.
Der Besuch des Ausstellungspavillons wurde zu einer Superschau des Zusammenspiels von Technik und Kunst in Erzeugnissen der Firma. Qualität und Leistung werden u.a. im Exportanteil von 40 Prozent in 60 Länder deutlich. Am Abend hießen die zufällig im Hotel weilende Staatssekretärin im bayerischen Landwirtschaftsministerium Marianne Deml und die ins Europaparlament gewählte Abgeordnete Emilie Müller die Pensionistengruppe in ihrer oberpfälzischen Heimat mit kurzer Vorstellung willkommen.Auf einem Busausflug am zweiten Tag erinnerte der Blick auf große Betriebsanlagen bei Wackersdorf an den einst heiß bekämpften Plan für den Bau einer WAA.
Vorbei an einer „Seenplatte“, die aus dem stillgelegten Braunkohletagebau entstanden ist, ging es durch den Naabdurchbruch weiter über Pfreimd in das reizvolle Pfreimdtal mit Stausee, Pumpspeicherwerk, großem Campingplatz und Blick auf die Burg Trausnitz (12. Jh.). In Richtung Weiden bot sich ein großartiger Blick auf Leuchtenberg mit der einst uneinnehmbaren Burg als einer der bedeutendsten unter 34 Burgen in dem oberpfälzischen Grenzgebiet. Der hohe Stellenwert der Natur wird dort durch die Schutzfunktion von Naturparks wie dem Oberpfälzer Wald, Parkstein und Steinwald verdeutlicht.

Auf die Besichtigung der 1969 zu einer päpstlichen „Basilika Minor“ erhobenen Klosterkirche Waldsassen und der Stiftsbibliothek der Zisterzienserinnen-Abtei als kulturellen Perlen im so genannten Stiftsland bereitete Manfred Gruber mit reichen Kenntnissen aus seiner früheren RS-Dienstzeit vor. Die Kirche gilt als eine der prächtigsten Barockbauten in Bayern. Für stille Einkehr wie für große Festgottesdienste und für Konzerte von berühmten Orchestern und Chören unter Meisterdirigenten bietet sie ein treffliches Ambiente. Tiefe Empfindungen löste das Nachdenken über eine verstümmelte Christusfigur aus, die 1951 an der Landesgrenze am Schlagbaum aufgehängt gefunden worden war und zur Sühne viel verehrt wird. Staunen und Nachdenklichkeit bewirkte der von kunstvollen Holzschnitzwerken, Stuckdekor, Deckengemälden und alten Buchsammlungen schier überquellende Saal der Stiftsbibliothek.
In den Bestrebungen zur Einigung Europas erfährt in Grenzgebieten wie der Oberpfalz die politische Einschätzung der geschichtlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zu den osteuropäischen Ländern eine neue Qualität. Bei einer Stippvisite über Eger nach Marienbad machte neben Erinnerungen von Margit Eckstein (Olmützer Mundart), Helmut Scharf (LBA Eger, Höhenzug Kaiserwald) und Ernst Wurdak (Land um Tachau, Vertreibung) und neuem Fassadenglanz auch ein Vorfall deutlich, dass die Landwege zueinander zwar sehr kurz, der „innere Weg aus dem Osten nach Europa“ vermutlich noch sehr weit ist. Denn die Rückfahrt aus Marienbad verzögerte sich um fast eine Stunde, weil die örtliche Polizei den angeblich unberechtigt geparkten Bus mittels einer „Kralle“ am Wegfahren hinderte, bis der Fahrer nach ärgerlichen Verhandlungen in seiner Mittagsfreizeit 75 DM Strafgebühr berappt hatte.
Nachdem sich auch der Grenzübertritt unverständlich lange verzögert hatte, war die Zeit zur Besichtigung des „Kontinentalen Tiefbohrprogramms der Bundesrepublik Deutschland“ bei Windischeschenbach knapp geworden. Zwei Wissenschaftler der KTB boten mit Erläuterungen und der Beantwortung vieler Fragen interessante Einblicke. Es war das Ziel der 1994 beendeten Bohrarbeiten bis zur Tiefe von 9101 Metern, möglichst tief liegende Teile der Erdkruste zu erforschen. In der Auswertung der Ergebnisse sollen nun grundlegende geowissenschaftliche Fragen zur Lithosphäre, dem Lebensraum der Menschen, erforscht werden.

Spät war es dann auch für den geselligen Abschlussabend im Hotel geworden. In der Runde informierte der VBR-Landesvorsitzende Werner Reil aus der Verbandsarbeit und über „harmonische Gespräche“ im Ministerium. In der Frage der R6 „bleibt die VBR am Ball“. Mit Dank verabschiedete der Vorsitzende auch in diesem Rahmen „den altbewährten Pensionistenbetreuer Josef Kreuzer“ und begrüßte dessen Nachfolger Manfred Gruber mit guten Wünschen für die erfolgreiche Weiterführung der „sehr wichtigen Arbeit“. In seiner letzten „offiziellen“ Aktion überreichte J.K. den mit 13 Wimpeln bestückten Ständer an Walter Formanek als dem Ausrichter des nächsten Treffens vom 28. – 30. September 2000 in Bad Aibling. Per Video und Kurzinformation bot der Kollege attraktive Anreize, sich den Besuch dieser schönen Kurstadt in Oberbayern nicht entgehen zu lassen.

Nach etwas feuchttrübem Wetter an den Vortagen verhalf strahlende Sonne dem Abschluss in Amberg nochmal zu einem Höhepunkt. Mit Einblicken in die Geschichte der 1034 gegründeten Stadt an der Vils lenkte der Stadtführer zu bedeutenden und optisch eindrucksvollen Bauten, u.a. Herzogsburg, Zeughaus, gotische Hallenkirche St. Martin, sehr schönes Rathaus auf dem von geschäftigem Treiben erfüllten Marktplatz, nicht zu vergessen Spaß und Neugier am „Ehehäusl“.
Zum Abschied in der Gaststätte auf dem Mariahilfberg bekundete die Restgruppe für den „harmonischen Verlauf des 13. Treffens“, so Josef Kreuzer, großen Dank an den Ausrichter Wolfram Eckstein, der resümierte, dass „Zuwendung, Kameradschaft und Freundschaft uns bereichert haben“. Gedankt wurde ebenso dem nächsten Gastgeber Walter Formanek sowie Georg Grundier für die von ihm vorbereitete musikalische Mitgestaltung des geselligen Abends, die aus zeitlichen Gründen leider nicht umgesetzt werden konnte. Gemeinsames Singen auf dem Treppenaufgang zur Wallfahrtskirche und die Führung durch einen Pater setzten wirkungsvolle Schlusspunkte vor dem Abschiednehmen. An alle VBR-Pensionisten ergeht nun zum Vormerken die
EINLADUNG
zum 14. Treffen vom 28.-30. September 2000 in Bad Aibling !
(Näheres wird rechtzeitig mitgeteilt)
Richard Müller