Bericht zum Treffen 2001

Das 15. Treffen der VBR-Pensionisten 2001 in Coburg-Weimar

Organisation und Ambiente
Coburg und Weimar waren vom 27.-29. September 2001 so attraktive Ziele des 15. VBR-Pensionistentreffens, dass die Zahl von 61 Teilnehmer/innen nicht überraschte. Angesichts zweier geschichts- und kulturträchtiger Städte in schöner fränkisch-thüringischer Landschaft war es für die Organisatoren nicht einfach, eine überquellende Fülle von Sehens- und hörenswerten Eindrücken in einem auch auf gesellige Begegnung bedachten Programm unterzubringen. Der VBR-Ehrenvorsitzende Rudolf Bernreuther, als gebürtiger Coburger von Heimatstolz beflügelter Ausrichter des Treffens, Manfred Gruber, im zweiten „Dienstjahr“ als VBR-Pensionistenbetreuer den Aktionsradius der Älteren bedenkend, und Folker Heib, noch aktiver Leiter und Gastgeber der Realschule Coburg I als Mitausrichter und Regulator vor Ort haben sich beim Planen „immer wieder zusammengerauft“, wie es M. Gruber im Resümee bei der von Beifall bekräftigten Anerkennung für R. Bernreuthers Tun und Lassen“ und für F. Heibs auf Umsetzbarkeit bedachtes Mitplanen scherzhaft beschrieb.
Ihnen zur Seite stand ein Fachmann Dr. Harald Bachmann, der von solch eminentem Wissen über Coburg und Weimar sprühte und mit hinreißendem Erzählen von Herzögen nebst Frauen, Prinzen und Prinzessinnen, Geistesfürsten und Künstlern, Baumeistern und deren Werken sein Gefolge in Bann schlug und durch Straßen, Kirchen, Prunkräume und Gedenkstätten „zog“, dass Zeitnot vorprogrammiert schien. Seine Begeisterung zur Sache begründete der frühere Leiter des renommierten Coburger Gymnasiums Ernestinum aus der pädagogischen Fundierung der Fächerverbindung Deutsch-Geschichte-Geographie so: „Wenn man sich an einer Sache freut, kann man etwas weitergeben.“ So zum Beispiel „die großen Ströme mit Coburg in der Mitte der Welt“ mit Ausstrahlung per „Heiratsoffensive“ im 19. Jahrhundert in Herrschaftsdynastien von Großbritannien, Belgien, Bulgarien Portugal, Brasilien, Spanien, Russland, Rumänien und anderen. Oder zum Beispiel geistig verinnerlicht in Weimar mit „Goethe klassisch“ in der feinsinnigen Diktion: „Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt“ oder tiefe Empfindung Goethes in der Grabinschrift für seine Frau Christiane (Vulpius) von Goethe: „Du versuchst, o Sonne, vergebens, durch die düsteren Wolken zu scheinen! Der ganze Gewinn meines Lebens ist, ihren Verlust zu beweinen.“ Am Schluss der Führung durch die optisch aufblühende Stadt zitierte Dr. Bachmann als Verehrer des geistigen Weimar im Blick über die Ilm auf Goethes Gartenhaus das Gedicht „An den Mond“. Dafür dankten wir mit herzlichem Beifall.

Empfänge bei Stadt und Realschule
Nach der obigen Einführung in Stimmungsbildern sei einiges aus der Fülle von Eindrücken des Treffens festgehalten. Wegen eines bedeutenden Sitzungstermins im Stadtrat von Coburg musste der bisher übliche Empfang der Pensionistengruppe beim jeweiligen Stadtoberhaupt auf die Organisatoren und regionale RS-Vertreter beschränkt werden. In der „Regimentsstube“ bedauerte Oberbürgermeister Norbert Wagner die Terminschwierigkeit, freute sich jedoch über den ihm wichtig erscheinenden Kontakt zur VBR. Zur aktuellen Situation der Stadt nannte er die Wende vom November 1989 „eine Befreiung und Glück für die Region und die historisch schon immer nach Coburg orientierten Südthüringer“. Im Wirtscharts- und Geschäftsleben haben 16000 Pendler und hockqualifizierte Arbeitskräfte von dort ein starkes Gewicht. Als überzeugter Befürworter der für 2003 zugesagten R6 sah er auch in Coburg durch geplante Baumaßnahmen eine aussichtsreiche Entwicklung. RSR Folker Heib, zugleich für seinen Leiterkollegen Klaus Reisenweber der RS Coburg II, dankte ebenso wie MB Manfred Egner und Manfred Gruber dem OB für seine in regem Gedankenaustausch deutlich gewordene aufgeschlossene Haltung. Josef Kreuzer überreichte ihm ein kleines Präsent. Freude und großes Lob für Folker Heib, Kolleg/innen und Schüler/innen gab es beim Empfang der ganzen Gruppe in der RS Coburg 1, „einer der ältesten Gründungen in Bayern (1955), 1966 so voll, dass Coburg II nötig wurde“. Als weiterer Gast wurde Brigitte Kern als Amtsvorgängerin von F. Heib willkommen geheißen. Kollegin Brigitte Steinmeier hatte mit Helferinnen und dem Hausmeister Deuerling eine vorzügliche Bewirtung mit Kaffee und Kuchen an herrlich herbstlich dekorierten Tischen vorbereitet. Kollege Werner Müller begrüßte mit einer tüchtigen Schulband die Gäste musikalisch. MB Manfred Egner bekundete wie der Schulleiter große Freude über die Wahl von Coburg als Treffpunkt. Er dankte den Pensionisten für ihr Engagement im Ringen um die R6 in Bayern. Von 27 Realschulen in Oberfranken sind zurzeit 14 sechsstufig, 7 sollen nächstes Jahr hinzukommen, ein Jahr später die restlichen 6 Schulen. Wichtig für die innere Schulentwicklung erachtete der MB die Ganztagsbetreuung.

Rundgänge in Coburg und Weimar
Beim Empfang in der Schule hatte Kollege Heib für die Rundgänge gut gelaunt und, wie sich schnell erwies, trefflich Dr. Bachmann als „Historienpapst nicht nur für Coburg und als profunden Kenner mit Herzblut zu Herzogshaus und Ehefrau“ vorgestellt, der „wichtige Teile dieses Treffens vorbereitet hat“. Deshalb kann die folgende, von Platznot eingeengte Zusammenschau nur eine mäßige Erinnerungsstütze sein. Erster Höhepunkt war nach dem von Herzögen angelegten Friedhof mit dem Mausoleum Herzog Ernst II. das Residenzschloss Ehrenburg als Beispiel thüringischer Renaissance. Sinnfällig „inszenierte“ Dr. Bachmann den Eintritt über das doppelläufige Barocktreppenhaus getrennt nach Damen und Herren als gesellschaftliches Ritual beim Zugang zum „Riesen“-Saal, dem einzigen Barocksaal in Coburg als höfischem Empfangs-, Repräsentations- und Tanzsaal, darunter die Hofkirche.

Viele Wappen und Gemälde verdeutlichen die weitläufigen geschichtlichen Verbindungen Coburgs („Aber nichts an Zeichen von Bayern dabei! „), ebenso die unterschiedlich ausgestatteten Räume wie Schlafzimmer, Belgisches Zimmer, Thronsaal, kleines Audienzzimmer, Zimmer der Queen Victoria. Im Hofbereich erinnern Denkmäler an Ernst II. (mit preußischer Pickelhaube) und Ernst I. sowie das Landestheater (an 4. Stelle in Bayern). Abschließender Höhepunkt des Rundgangs war die St. Moritzkirche mit der Gruft der Coburger Herzogsdynastie und einem mächtigen Alabasterepitaph (zugleich Altar) mit Darstellungen biblischen Geschehens und christlichen Glaubens. Eine Lutherbüste erinnert an die Osterpredigt (1530) des Reformators; im Außenbereich am Westchor beeindruckte das mittelalterliche Ambiente, daneben das „Gymnasium illustre“ Casimirianum. Vom Tagesausflug nach Weimar zunächst einige erinnernswerte Blickpunkte aus dem Reisebus: die massive Veste Coburg von Norden,; der Schleuse-Stausee; das Renaissanceschloss der Henneberger in Schleusingen, Ilmenau und Rennsteigüberquerung; der Gickelhahnberg, der Goethe zu dem Gedicht „Über allen Gipfeln ist Ruh‘ “ animierte; Gelmeroda mit spitzem Kirchturm als Werkmotiv des Künstlers Lyonel Feininger. Beim Rundgang im „poetischen, bürgerlichen und  höfischen Weimar“ vertiefte Dr. Bachmann manche Beschreibung mit literarischen Bezügen. Nach den gruppenweisen Führungen durch örtliche Angestellte im „einfachen“ Schillerhaus und im „wohlhabenden“ Barockhaus Goethes waren weitere Höhepunkte die zwei schönsten Renaissancehäuser am Marktplatz; das neugotische Rathaus; die Stadtkirche St. Peter und Paul, nach dem Hofprediger Johann Gottfried Herder (Sammlung „Stimmen der Völker in Liedern“) als „Herderkirche“ benannt, mit dessen Denkmal davor und drinnen mit dem berühmten Altarbild von Lukas Cranach dem Älteren und dem Jüngeren als „politisches Programm der Reformation“ mit Johannes dem Täufer zwischen dem alten Cranach und Luther; daneben das Hochgrab des Herzogs Johann Friedrich des Großmütigen; die Jakobskirche als älteste Begräbnisstätte Weimars; die mächtigen Bauten des in Renovierung befindlichen Alten Marstalls und des Residenzschlosses (Innenhof) mit Torbogen und Turm als Originalreste von 1774; das Grüne und Gelbe Schloss (heute Musikhochschule) und ein Blick auf das bildschön renovierte Familienschloss der Frau von Stein (als entferntes Gegenüber zum Gartenhaus Goethes, von wo aus der Dichter immer das Kerzenlicht in einem der Fenster als „Signal“ der verehrten Dame habe erspähen können); als Abschluss ein kurzer Info-Besuch im Deutschen Nationaltheater, 1919 Gründungsstätte der „Weimarer Republik“, 1945 ausgebombt, 1948 mit „Faust“ wiedereröffnet.

Abschlussabend mit dem VBR-Landesvorsitzenden – Planung für 2002
Vom Ausflug etwas verspätet zurück im Hotel „Goldener Anker“, freuten sich die Pensionisten und ihr Betreuer, den Landesvorsitzenden Werner Reil und Gattin Resi sowie einige Nachzügler in ihrem Kreis begrüßen zu können. Unter den VBR-Veranstaltungen empfinde er es „wohltuend bei den Pensionisten als einem Aktivposten unserer Vereinigung“, so Reil. Er dankte M. Gruber und den Mitorganisatoren des 15. Treffens R. Bernreuther und F. Heib für ihren Einsatz. In einem Kurzbericht aus der aktiven VBR-Arbeit äußerte er sich zu Konsequenzen aus der Einführung der R6, zu Änderungen der RSO hinsichtlich Aufnahmebestimmungen und Elternwillen sowie zum behördlichen Schriftverkehr „nur noch“ per E-Mail.
M. Gruber dankte Dr. Bachmann, „der uns zwei Tage kostenlos mit unerschöpflichem Wissen bedient hat“, mit einem Frankenweinpräsent, den beiden Mitorganisatoren mit großer Anerkennung für die erfolgreiche Zusammenarbeit.
Für die Planung des 16. Treffens 2002 äußerte er sich zur Bereitschaft und zu Ideen von Marianne Direder, der Gründungsdirektorin a.D. der RS Bad Aibling und VBR-Mitglied, die Pensionistengruppe 2002 nach Welschnofen in Südtirol einzuladen. Dazu wären vier Tage und Busreise vorzusehen. Neben mehrheitlicher Zustimmung kamen aus der Runde auch Fragen zur Busanfahrt (Zusteigen) und zur Jahreszeit. Josef Kreuzer gab zu bedenken, dass es beim Beginn der jährlichen Treffen 1987 das Ziel gewesen sei, „sich als VBR in der bayerischen Heimat bekannt zu machen und für die Realschule zu werben“. Die Diskussion ergab, dass zurzeit keine RS-Werbung nötig sei, Südtirol eine Ausnahme bleiben und die Tradition nicht aufgegeben werden solle. M. Gruber wird nach weiterer Besprechung mit Kollegin Direder bis zum Jahresende in der Sache entscheiden und die Mitglieder informieren. Notfalls lägen Ersatzvorschläge vor.

Abschied mit Blick von der Veste Coburg
Das anhaltend gute Wetter ließ auch am Samstagvormittag den letzten Programmpunkt gelingen, nämlich eine fröhliche Auffahrt im Touristenzügle zu der mächtig über Coburg thronenden Veste und Besichtigung ihrer wertvollen Kunstsammlungen, Burgräume, Rüst- und Wehranlagen. Eine kleine, mit der Veste schon vertraute Gruppe stieg auf halbem Wege aus, um in dem vorzüglich ausgestatteten Naturkundemuseum unter fachkundiger Führung von H. Korn das Wissen über „Erde, Evolution, Erdgeschichte und Mensch“ aufzufrischen und zu erweitern. Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Kongresshaus Rosengarten verabschiedeten sich die Besucher aus dem 15. Treffen mit herzlichem Dank an die Organisatoren und nicht ohne den gegenseitigen Wunsch auf „gesundes und frohes Wiedersehen“ beim 16. Treffen.

Richard Müller