Pensionistentreffen 2007 in Haag

KUNST, KULTUR UND KÜCHE

Über 60 Pensionäre der VBR auf Jahresfahrt in Oberbayern

Seit vielen Jahren erfreuen sich die Fahrten der Pensionäre der VBR großer Beliebtheit. Pensionisten-Betreuer Manfred Gruber ist immer bestrebt, besonders attraktive Fahrtziele auszuwählen und mit Hilfe örtlicher Betreuer ein vielseitiges Programm zu erstellen.

Dies war auch heuer wieder vorzüglich gelungen .Die Teilnehmer äußerten sich  am Ende der Veranstaltung einhellig geradezu begeistert über das diesjährige Treffen. Neben einem kontrastreichen und bunt gemischten Programm war auch genügend viel Zeit eingeplant zu ausführlichen persönlichen Gesprächen. Manche hatten sich schließlich ein ganzes Jahr nicht gesehen!
Der zum Ausrichter erkorene Schreiber dieser Zeilen fand in Herrn Andreas Noll, Konrektor an der Staatl. Realschule in Haag, einen hervorragenden Mitorganisator des Treffens.
Nach der Anreise der Teilnehmer in zwei Hotels in Mühldorf am Inn – ein Hotel allein konnte die vielen Teilnehmer nicht aufnehmen – gab das erste gemeinsame Essen Gelegenheit zum Wiedersehen.
Pensionisten-Betreuer Manfred Gruber zeigte sich hocherfreut über die große Teilnahme und versprach neben einem interessanten Programm auch gutes Wetter! Er sollte recht behalten.

Die anschließende Stadtführung fand in zwei Gruppen statt und hat wohl die meisten Teilnehmer recht überrascht. Kannte man doch Mühldorf vielleicht dem Namen nach, aber sicher nicht als Stätte sehr eleganter Bauwerke, gewisser höfischer Eleganz und südländischer Heiterkeit.

Kein Wunder! Mühldorf war eine salzburgische Exklave mit vielen Sonderrechten, die erst 1802 bei der endgültigen Eingliederung nach Bayern verloren gingen. Die Jahrhunderte lange Selbstherrlichkeit ist noch heute mit dem Salzburger Wappen am Stadtbrunnen dokumentiert.

Wer ein reines Muster des Innstadtstils mit langem, leicht geschwungenem Straßenmarkt zwischen zwei Toren und prächtigen Bürgerhäusern des 15. bis 17. Jahrhunderts kennen lernen will, der sollte nach Mühldorf kommen.
Der ausführliche, höchst informative Rundgang fand seinen verdienten Abschluss bei Kaffee und Kuchen.

Das Essen und Trinken spielte allein schon deshalb eine große Rolle, weil die ausgewählten Orte der Gastlichkeit keine Wünsche offen ließen.

Am nächsten Morgen ging es mit dem Bus zu dem etwa 20 km westlich von Mühldorf gelegenen Haag i. OB (heißt Oberbayern). Ähnlich wie Mühldorf hat es eine interessante, wenn auch völlig andere Vergangenheit.

Es ist nämlich früher eine freie Reichsgrafschaft gewesen. Das sieht man noch heute deutlich, weil der Ort sich nicht um ein Kloster, sondern um eine Burg herum gebildet hat, deren imposanter Turm als Wahrzeichen erhalten geblieben ist.

Unser Ziel war aber die auf einer Anhöhe in unmittelbarer Nähe des alten Schlosses gelegene Realschule. Sie wurde erst 1999 gegründet und hat in mancherlei Hinsicht Aufsehen erregt. Dem Gründungsrektor Dieter Landthaler war es in mühsamen und langwierigen Verhandlungen gelungen, viel von der ursprünglichen Substanz der Klosterschule Haag zu erhalten und in den Neubau der Schule zu integrieren.

Der Schreiber dieser Zeilen, seinerzeit als Ministerialbeauftragter intensiv mit dem Schulbau befasst, erinnert sich noch sehr lebhaft an die oft heftigen Auseinandersetzungen mit den verschiedensten Gremien, den Schulhausneu- und -umbau betreffend. Im Nachhinein ist jeder zufrieden und lobt das gelungene Werk!

Eine Besonderheit der Schule, die schon beim Bau berücksichtigt wurde, ist das totale Fachraum-System nach anglo-amerikanischem Vorbild. Jedes Fach hat einen oder nach Bedarf  auch mehrere Fachräume, in denen sich die Lehrer samt ihrer Unterrichtsmaterialien, technischen Geräte etc. aufhalten. Die Schüler pendeln also, der Lehrer bleibt in seinem Fachraum. So gibt es also nicht nur Fachräume, z.B. für Naturwissenschaften wie in jeder anderen Schule auch, sondern auch welche für Deutsch, Mathe, Geschichte, Erdkunde etc., kurz für jedes Fach.

Neben dem Vorteil, dass der Lehrer alles was er braucht stets zu Hand hat, ist ein weiterer, dass die Fachräume voll mit 30 Stunden ausgelastet werden können, was bei normalen Klassenzimmern bei weitem nicht der Fall ist. Die dadurch mögliche Einsparung an Raumkapazitäten ist groß und würde sich, wenn konsequent angewandt, ganz erheblich auf eine Minderung der Kosten für Schulneubauten auswirken.
Das Pendeln übrigens macht den Schülern Spaß, wird nicht ausgenützt und für Bewegung zwischen den Stunden ist auch noch gesorgt.
Das größte Aufsehen jedoch erregte die Schule mit der Einführung einer einheitlichen Schulkleidung. Die Realschule Haag gehörte zu den ersten Schulen in Deutschland, die eine solche Maßnahme konsequent durchführte, durchaus nicht zum Wohlgefallen des Dienstherrn.
Doch als der FOCUS wohlwollend berichtete und sich die TV-Teams die Schultürklinken in die Hand gaben, machte das hohe Haus einen Schwenk und Kultusminister Schneider überzeugte sich persönlich vor Ort.
Zum Ende des vergangenen Schuljahres war der Gründungsrektor Dieter Landthaler zum Leidwesen vieler aus dem Amt geschieden. So übernahmen die Führung unserer Gruppe der neu bestallte Schulleiter Wilhelm Kürzeder (bislang Staatl. RS Vaterstetten als damaliger Nachfolger von Maximilian Schmidt) und sein Konrektor Andreas Noll. Besondere Aufmerksamkeit fanden das vom Klosterbau hinüber gerettete Odeon, ein Theatersaal, und die hauseigene Kapelle, die eifrig genutzt wird.

Schnell noch ein Gläschen Sekt unter den Klängen der Bigband der Schule und schon ging‘s weiter zum nächsten Termin … Herzlichen Dank, Herr Kürzeder!

Schon beim Abendessen zuvor hatten etliche Teilnehmer auf dringliches Anraten von Maximilian Schmidt erste Bekanntschaft mit dem Weißbier der örtlichen Brauerei UNERTL gemacht. Diese ist wohl die einzige reine Weißbier-Brauerei  in Bayern, möglicherweise aber weit darüber hinaus. Das Gebräu ist nur Insidern bekannt und auch nur begrenzt erhältlich. Dies hängt mit der langjährigen Firmenphilosophie zusammen nach dem Motto „Klein aber fein“.

Die meisten der Teilnehmer hatten schon eine Brauerei-Führung miterlebt und waren möglicherweise deshalb etwas skeptisch. Doch was der Junior-Chef Alois III. Unertl  mit großem Schwung, kenntnisreich und erfrischend zugleich, vortrug und zeigte, wird uns noch lange im Gedächtnis bleiben. Schon allein deshalb, weil die als Geschenk mitgegebenen Weißbiergläser uns daran erinnern werden.  Das soeben Gesehene und wohl auch Gerochene konnte dann gleich praxisnah im Bräustüberl der Brauerei gekostet werden zusammen mit einem knusprigen Schweinsbraten und hausgemachten Klößen.  Dermaßen gestärkt führte uns die Weiterfahrt nach Amerang, einem Lieblings-Aufenthaltsort des Verfassers dieser Zeilen, was Autos anbetrifft!  Dort gibt es das weltweit einzige Automuseum mit nur deutschen Fabrikaten seit der Erfindung des Automobils durch die Herren Daimler und Benz (ja Benz, auch wenn dieser von den Technokraten der Daimler AG jüngst übergangen wurde!). Wer es noch nicht kennt: Amerang ist eine Reise wert!

Auf über 6000 qm werden mehr als 220  deutsche Automobilklassiker aus allen Epochen vorgestellt. Es ist die wohl bedeutendste Sammlung ausschließlich deutscher Fabrikate und technischer Highlights. Ob Benz, Mercedes, Horch, Opel, Ford, BMW, eine eigene Rennabteilung Porsche, Sonderausstellung Taxis in Deutschland , alles da und vieles mehr.

Noch nicht genug? Im Kellergeschoss wartet eine riesige Anlage der Spur II auf den Liebhaber: auf insgesamt 500 qm und 650 m Gleis mit Hauptbahnhof, Ringlokschuppen und imposanten Hafenanlagen .Dazu noch 1200 weitere Exemplare. Klar, dass wir für unsere Gruppe eine Sondervorführung bekamen.

Wer das alles zusammen trug? Ernst Freiberger! WER? Kennt noch jemand das EFA-Eis, d.h. Ernst Freiberger Amerang. Er soll das Eis am Stiel, bayrisch „Steckerl-Eis“, erfunden haben. Der Verkauf seines Eis-Imperiums ermöglichte ihm den Kauf seines Auto-Imperiums.

Zurück zu den Hotels und fein gemacht für den Abschlussabend. Hier beehrte uns der Vorsitzende unserer Vereinigung, Roland Schneidt. Er hatte nicht nur Erfreuliches über die Zukunft der Realschule in Bayern zu berichten. Doch hierüber an anderer Stelle dieser VBR-Nachrichten. Ein harmonischer Abend in geselliger Runde schloss den Tag ab.

Über mangelnde Kontraste konnte man sich bei dem diesjährigen Treffen sicher nicht beklagen! Am nächsten Morgen Fahrt in den eigenenPKWs nach Altötting nicht ganz ohne Probleme wegen schlechter Ausschilderung. Aber nachdem kurz davor der Papst hingefunden hatte…

Treffen am Kapellplatz zum „Orgelspaziergang“, ein Programmpunkt, der bei den Teilnehmern zunächst viel Rätselraten ausgelöst hatte. Die Lösung: Der Altöttinger Stiftsorganist Herr Brunner führte uns in verschiedene Kirchen, erklärte uns die dortigen Orgeln, ihre Entstehung und ihren Aufbau und führte sie uns dann musikalisch vor. Eine wirklich ungewöhnliche Führung.
Vom Orgelkonzert, das wir auf der Empore genießen durften, hinunter in die Basilika St. Anna, wo  wir an einem ergreifenden Pilger-Gottesdienst teilnehmen konnten. Die Inbrunst der Lieder, der Ernst der Gebete, die tiefe Frömmigkeit der Gläubigen hat uns alle sehr beeindruckt.

Natürlich gehört zu einer ordentlichen Wallfahrt auch ein ordentliches Essen! Was also lag näher, als in der ersten Adresse vor Ort, der POST, das Mittagsmahl zu buchen. Besitzer Gerold Tandler (Franz Josef Strauß ließ grüßen) wurde auch gesichtet.

In einer eigens für uns reservierten oberbayerischen Gaststube, bei einem ausgezeichnetem Menü  und angenehmen Gesprächen  klang unser Treffen langsam aus. Manfred Gruber bedankte sich herzlich bei den Organisatoren, diese gaben die Komplimente zurück an eine vorbildliche Reisegruppe und man versprach, sich wieder zu sehen, im September 2008, in Regenstauf.

Maximilian Schmidt