Pensionistentreffen 2009 in Volkach

Mit Mainfrankens Schätzen auf Du und Du
Pensionistentreffen 2009 – vom 22. bis 24. September

Sommer und Herbst erlebten die rund 60 bayerischen Pensionisten der VBR (begleitende Damen und Herren eingerechnet) in Main- und Weinfranken – zumindest wettermäßig! Bei hochsommerlichen Temperaturen schlenderten sie Eis schleckend durch Würzburg, am Morgen wallten die ersten Herbstnebel über der Volkacher Mainschleife, verhüllten das Gegenufer und der Ausflugsdampfer konnte mangels Nebelhorn (Pardon: Radar-Ausrüstung) nicht auslaufen.

Am Donnerstag zum Abschied weinte es gar ein paar Tropfen Steigungsregen an der Steigerwaldstufe in Iphofen. So abwechslungsreich wie der Wettergott hatten auch der neu gewählte Pensionistenbetreuer Werner Reil und der Organisator vor Ort József Bogár das dreitägige Programm gestaltet. Beim ersten gemeinsamen Mittagessen in der „Rose“ in Volkach herrschten eitel Sonnen-schein und Wiedersehensfreude. Werner Reil begrüßte unter den Angereisten besonders den nach zehn Jahren endgültig in den „Ruhestand“ getretenen „alten“ Pensionistenbetreuer Manfred Gruber, dem für seine Arbeit, seine Kompetenz und seinen Humor mit Worten und Applaus Dank und Anerkennung gezollt wurde.

Ein Bus brachte die Teilnehmer in das drei Kilometer entfernte Gaibach, ins fürstliche Ambiente des Schlosses aus dem 17. Jahrhundert, das heute den Grafen von Schönborn gehört. Dort wurden die Gäste im Platanenhof von dem Schülerblasorchester unter Leitung des Realschullehrers Jürgen Baumgartl so schwungvoll begrüßt, dass nur das alte Kopfsteinpflaster Tanzschritte verhinderte. Das Schloss beherbergt seit 1949 das Franken-Landschulheim vom Zweckverband Bayerischer Landschulheime, Gymnasium seit 1949, Realschule seit 1968. Schul- und Internatsleiter Oberstudiendirektor Ralph Berneker sprach im geschichtsträchtigen Konstitutionssaal vom „Freiheitsmai 1832“, als die fränkische Protestbewegung von der bayerischen Regierung mehr Freiheiten für das Volk forderte (weniger heftig als in Hambach im gleichen Jahr). Im Saal mit den Stuck-Medaillons an den Wänden sind die Forderungen schlagkräftig formuliert und stechen jedem Besucher ins Auge. Der Saal wurde – ebenso wie die berühmte Konstitutionssäule von 1819 zur Erinnerung an die Bayerische Verfassung von 1808 und 1818  im englischen Schlosspark – vom königlichen Hofbauintendanten Leo von Klenze errichtet. Die Absolventen von Gymnasium und Realschule bestehen darauf, ihre Prüfungen im Konstitutionssaal schreiben zu dürfen, er inspiriert anscheinend heute noch.

Realschuldirektor Bogár informierte seine Kollegen über den derzeitigen Stand der Schülerzahlen von fast 1600: Gymnasiasten in Gaibach 671, Gymnasiasten in der Zweigstelle Gerolzhofen 356, Realschüler in Gaibach 569. Er sprach über das Leben im Internat mit 97 Jungen und 68 Mädchen, über das Tagesheim mit 174 Schülerinnen und Schülern und über neue Schulversuche im Landschulheim, u.a. über die eigene „Profilklasse für Realschulabsolventen“, die zum Abitur führt.

Gestärkt mit Kaffee und Kuchen in der Mensa des Internats konnten die Pensionisten zurück auf dem malerischen Marktplatz von Volkach dem freundlichen Willkommensgruß des  Bürgermeisters Peter Kornell lauschen und staunend erfahren, dass neben der aktuell bis zum 9. Oktober 2009 amtierenden Marlies Dumbsky noch weitere vier deutsche Weinköniginnen aus Volkach stammten. Peter Kornell ist einer der Zigtausenden Realschulabsolventen, die sich – zum Teil auf dem zweiten Bildungsweg – erfreulicherweise bis auf die mittlere Managementebene erfolgreich hochgearbeitet haben.

Abends traf sich die Pensionistenschar im edlen Kassettendeckensaal des Schelfenhauses zu einer fränkischen Weinprobe mit Häckerbrotzeit. Die fränkische Weinkönigin von 2007/2008, Eva Barthelme (eine Realschul-Absolventin von Gaibach!), erzählte charmant von ihren Aufgaben und Erlebnissen in ihrer Amtszeit, während die Winzerin Martha Gering mit ihren profunden Kenntnissen über Weinbau und seine Geschichte, mit ihrer Praxisnähe (Weinstock, Trauben und Öchsle-Messer!) und ihrer Lebendigkeit die „Bacchanten“ beeindruckte; auf alle Fragen aus dem interessierten Publikum hatte sie eine Antwort! Zur Weinprobe wurden die typischen fränkischen Rebsorten wie Silvaner, Müller-Thurgau und Bacchus eingeschenkt und als Krönung gab es einen Traminer Spätlese: ungemein süffig, aber nur wenige Franken trinken Traminer.

Zur Unterhaltung traten die „Botschafterinnen des fränkischen Weins“ Inge und Rita mit ihrem frechen Kabarett-Programm „Spätlese“auf. Sie schwatzten von der aufreibenden Arbeit der Winzerfrauen, lobten den täglichen Genuss des Weines, wenn es sein muss, intravenös, und flochten viele nützliche (?) medizinische Ratschläge („in vino sanitas“) in ihre Klamauk-Sketche ein.

Trockene Materie“, wie er selber sagte, brachte dagegen Ministerialbeauftragter Johann Seitz, indem er von Anlassbeurteilungen, Änderungen des Probeunterrichts und dem neuen Namen „Mittelschule“ berichtete. Freude herrschte über den abendlichen Besuch (trotz der weiten Anreise) unseres Vorsitzenden Roland Schneidt; seine kämpferischen Worte und seine Bitte, dem Verband treu zu bleiben, fanden Beifall.

Nach der „nebulösen“ Einstimmung am Morgen auf der am Ufer fest vertäuten „Undine“  wurde die Gruppe mit dem Besuch im „einheitlichsten und außergewöhnlichsten aller Barockschlösser“, dem UNESCO Weltkulturerbe (1981), der Würzburger Residenz verwöhnt. Die Fürstbischöfe der Familie Schönborn ließen Balthasar Neumann den Prachtbau mit 300 Barock- und Rokoko-Räumen und einem imposanten Treppenhaus ausstatten (1720-1744). Giovanni Battista Tiepolo schuf darüber das weltweit größte Deckenfresco mit den vier Kontinenten in den vier Ecken. Eine exzellente Führerin vollendete die Begeisterung über den imposanten Besichtigungsrundgang.

Professionell und schnell serviert wurde das Mittagessen im schönsten Biergarten Würzburgs, im „Hofbräukeller“ unter Kastanien im Sonnenschein oder unter Schatten-Schirmen.

Der anschließende Bummel durch Würzburg fiel je nach Interesse geschichtlich-kulturell oder kulinarisch aus. Manche Besucher schafften es in ihrer „Freizeit“, die Geheimnisse der drei Kirchen im Kernbereich der Stadt (z. B. die Darstellung der Empfängnis Mariens durch  Gottes Wort über dem nördlichen Portal der Marienkapelle) zu erkunden und einen Eiskaffee zu genießen.

Zum individuellen Abendessen fuhr der Bus die Teilnehmer ins 15 Kilometer südlich gelegene Sommerhausen, einem jener kleinen „wehrhaften Zwerge“ (= Orte) am Maindreieck mit gut erhaltener Stadtmauer und Stadttoren. In Sommerhausen hat sich inzwischen eine kleine Künstlerkolonie etabliert, die zum Beispiel an den Adventssonntagen die Tore und Türen aller Häuser öffnet, um ihr Kunsthandwerk zu präsentieren. Im Nordtor residiert das kleinste Theater Deutschlands, von Luigi Malipiero ins Leben gerufen, heute geführt von Veit Relin. Neben dem Torturmtheater lockte früher das „Bockshorn“ namhafte Kabarettisten und scharenweise Besucher in seinen Muschelkalk-Gewölbekeller. Heute heißt dieser ehemalige Weinkeller kurioserweise „Sommerhaus“ und bietet Brigitte Obermeier mit ihrem Ensemble ein ideales Ambiente für ihre zum Teil schrillen Inszenierungen. Unsere Pensionistengruppe füllte das Theater bis auf den letzten Platz und saß bequem bei Wasser und Wein an Bistrotischen, das heißt, eigentlich hatten sie im Flugzeug „Jetbaguette“ von Sommerhausen nach Paris Platz genommen und waren dem betrunkenen Piloten und den drei hübschen französischen Stewardessen – rot, blond und schwarz – ausgeliefert. Jedem neuen Missgeschick, und davon gab es eine Menge, begegneten die drei Damen mit einem eigenwillig interpretierten Beatles Song – das Theaterstück heißt „Beatles an Bord“. Schon der französische Akzent der temperamentvollen Flugbegleiterinnen war hinreißend komisch, mehr noch manche Dialoge: makaber, schräg, aber witzig. Die „Fluggäste“ waren begeistert, zumal „Jetbaguette“ heil herunterkam, zwar nicht in Paris, auch nicht auf dem Bodensee, aber in der Fußgängerzone von „Schweinefurt“.

Den letzten Höhepunkt bot am Abreisetag die faszinierende Welt des Knauf-Museums in der mittelalterlichen Weinstadt Iphofen 30 Kilometer östlich von Würzburg am Fuße der Keuperstufe (Steigerwald). Als Keuper werden die unterschiedlichen Sedimente bezeichnet, die mit den Schichten Buntsandstein und  Muschelkalk die erdmittelalterliche Epoche der Trias bilden und mit ihnen große Teile Süddeutschlands gestalten. Die Firma Knauf baut die gipshaltigen Ablagerungen ab und stellt daraus u.a. Bau-, Isolierstoffe und Verpackungen her. Mit der grandiosen Idee der Brüder Knauf, mit diesem Material Repliken der Meisterwerke großer Kulturepochen herzustellen, wurde 1983 im ehemaligen Rentamt Iphofens ein privates Museum geboren. Unsere reiselustigsten Besucher schwelgten in Erinnerung vor den Flachreliefs mit Opfergaben und Hieroglyphen in der altägyptischen  Totenkammer, sahen Aphrodite dem Meer entsteigen, liefen mit den Kriegern von Persepolis das 18 Meter lange Basrelief zu König Xerxes, staunten über die Stele aus Lima und beschlossen beim Betrachten der tausend Jahre alten Basreliefs des Khmervolkes von Angkor Wat: die nächste Reise geht nach Kambodscha!

Im Gasthof „Zum Hirschen“ in Iphofen wurden die Pensionisten nochmals mit fränkischen Schmankerl und Iphöfer Wein verwöhnt. Werner Reil zog das Resümee, dankte József Bogár, der noch bis Januar 2010 aktiver Schulleiter ist, für das hervorragende und vielfältige Pro-gramm, die kompetenten Gästeführer, die akribische Vorbereitung (mit google maps) und die gelungene Organisation. Nur die traditionelle Wimpelübergabe konnte nicht stattfinden, weil der Hersteller „gepfuscht“ hatte. Den Dank für den einsatzfreudigen und umsichtigen Mann, der alle Fäden in der Hand hält und eine „neue Karriere“ beginnt, nämlich als Pensionistenbetreuer, Realschuldirektor a.D. Werner Reil, sprach Lothar Öttl aus, der bereitwillig das nächste Treffen organisieren wird.

Und ehe alle zur Heimreise aufbrachen, wünschten sie sich gegenseitig das Wichtigste:  „Bleib hübsch gesund, damit wir uns im nächsten Jahr in Passau wiedersehen!“

Text: Uta Weise, Fotos: Werner Reil