Realschulverbände ziehen an einem Strang

Bei ihrer gemeinsamen Tagung in Donaustauf stimmten sich der brlv, der LEV-RS und die VBR hinsichtlich ihrer Positionen ab. Auf der Grundlage des bereits 2014 verabschiedeten Stufenplans, der für die kommenden Jahre konkrete Anlässe für Verbesserungen an der Realschule aufzeigt, stellten die Vorstände der Verbände die Forderung auf, die Zahl der Einstellungen deutlich zu erhöhen. So ist es Konsens, dass es unbedingt einer Vollzeitlehrkraft pro staatlicher Realschule bedarf, um die integrierte Lehrerreserve zu stärken. Die aktuellen Entwicklungen (Erkrankungen, Elternzeiten, Beschäftigungsverbote usw.) führen bereits jetzt zu einer überdurchschnittlichen Belastung der Kollegien bei gleichbleibend niedriger Quote ausfallenden Unterrichts.

Gemeinsam stellten die Vorsitzenden der drei Verbände fest: „Bayern kann es sich nicht leisten, die Qualität des Unterrichts zu gefährden, da Lehrkräfte und Schulleitungen bereits jetzt über ihre Belastungsgrenzen hinaus beansprucht werden. Genauso wenig kann hingenommen werden, dass hervorragend ausgebildete Lehrkräfte der Realschule, dem Freistaat oder sogar dem Lehramt den Rücken zukehren.“

Bei dem Treffen stellte der brlv-Vorsitzende Jürgen Böhm auch die neue Kampagne des brlv #Zukunftsgestalter vor. Sie verfolgt das Ziel, dringend zusätzliches Personal einzustellen, um die großen Bildungsherausforderungen der Zukunft weiter bewältigen zu können. „Nur mit weiteren deutlichen Investitionen ins System der Realschule kann diese erfolgreiche Schulart weiterhin ein differenziertes, qualitativ hochwertiges und zukunftsorientiertes Bildungsangebot machen“, stellte Böhm fest. „Es gibt derzeit tausende junge Realschullehrkräfte, die auf eine Beschäftigungschance hoffen – das sind unsere Zukunftsgestalter! Eine ähnlich schlechte Einstellungsquote wie im vergangenen Jahr können wir uns im Sinne unserer Realschüler, den Fachkräften unserer Zukunft, nicht leisten.“

Die VBR unterstützt die Kampagne des brlv. Auch wir sehen dringenden Handlungsbedarf, wie er im Stufenplan nochmals gemeinsam verdeutlicht wurde. Die konkreten Anliegen wurden inzwischen bei einem Termin im Kultusministerium dem zuständigen Minister Dr. Ludwig Spaenle vorgetragen und erläutert.

„Wann, wenn nicht jetzt?
Bei einem Gespräch mit Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle und Abteilungsleiterin Elfriede Ohrnberger erläuterten die Vorsitzenden der drei Realschulverbände (brlv, LEV-RS und VBR) die gemeinsamen Forderungen nach einer besseren Versorgung der Realschule. Die bisherigen Verbesserungen genügen noch nicht und haben noch immer nicht den Rückstand unserer Schulart gegenüber anderen aufgeholt. Konkret forderten die Verbände:

  1. Das Ende der Stundenkürzungen an der Bayerischen Realschule.
  2. Den Auf- und Ausbau einer integrierten Lehrerreserve, um die individuelle Förderung der Schüler zu verbessern, die enorme Belastung der Lehrkräfte durch Mehrarbeit zu reduzieren und neue Herausforderungen zu bewältigen.
  3. Den vollen Abbau der übergroßen Klassen und eine weitere deutliche Reduzierung des Klassendurchschnittswertes auf höchstens 24 Schüler, wie in anderen Schularten längst erfüllt.
  4. Den weiteren professionellen Ausbau der Führungsstrukturen und Schulverwaltungen, um den steigenden Anforderungen an eine moderne Schule und den Herausforderungen der Digitalisierung gerecht zu werden.
  5. Das Ganztagsschulangebot muss in der Qualität und finanziellen Ausstattung deutlich verbessert werden. Dazu bedarf es des Einsatzes von Lehrkräften im Ganztagsschulbetrieb, sowohl in gebundener als auch in offener Form.
  6. Die „demografische Rendite“ von ca. 900 Vollzeitstellen in den kommenden vier Jahren, muss bezogen auf die Schulart Realschule in vollem Umfang in dieser Schulart bleibt.
  7. Einen Einstellungskorridor für bestens ausgebildete Nachwuchslehrkräfte.

Kultusminister Dr. Spaenle zeigte Verständnis für die Forderungen, verwies aber auf die anstehenden Haushaltsverhandlungen. Aktuell stünde nur die demographische Rendite für alle Schularten zur Verbesserung der Lehrerversorgung zur Verfügung.
Die Verbände machten aber deutlich, dass man sich eine ähnlich schlechte Einstellungsquote wie im vergangenen Jahr im Sinne unserer Realschüler nicht leisten könne. Allein die Herausforderungen durch die Digitalisierung rechtfertigen weitere Stellen für die Realschule.
Bernhard Buchhorn, Landesvorsitzender