Bereits am Vortag waren die Bezirksvorsitzenden und ihre Stellvertreter aus ganz Bayern mit dem Landesvorstand zusammengekommen, um wichtige Anliegen aus den Verbänden für die Hauptversammlung inhaltlich abzustimmen. An den ersten Sitzungstag schloss sich am späten Nachmittag ein Empfang durch Stadtrat Dr. Thomas Burger als Vertreter der Stadt Regensburg im historischen Alten Rathaus an –  ein Zeichen der Wertschätzung für die VBR und sicher auch Höhepunkt des ersten Sitzungstages. Im Kurfürstenzimmer skizzierte Dr. Thomas Burger auf sehr anschauliche Weise wichtige Eckpunkte der Entstehung und Bedeutung des historischen Rathauses und der einstigen Handelsmetropole mit ihren beeindruckenden Baudenkmälern und spannte den Bogen zum heutigen Regensburg als zukunftsfähigem, modernem Hochschul- und Wirtschaftsstandort.

Zur Festversammlung am Samstag im Kolpingsaal begrüßte die Bezirksvorsitzende der VBR in der Oberpfalz Diana Schmidberger neben Staatsminister Prof. Dr. Michael Piazolo zahlreiche Ehrengäste aus dem Landtag, dem Staatsministerium für Unterricht und Kultus, dem Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung, den Dienststellen der Ministerialbeauftragten, den Berufsverbänden weiterführender Schulen sowie viele Mitglieder der VBR. In humorvoller Anspielung an die Sage von der Steinernen Brücke und die dem Teufel versprochenen ersten Passanten der Brücke, hielt sie sich dabei – zur Beruhigung der Anwesenden – an die protokollarische Reihenfolge. Sowohl die VBR als renommierte Interessensvertretung als auch die Leistungen der „Schulfamilie“ der Realschule erfuhren in den Grußworten hohe Wertschätzung. Kultusminister Prof. Dr. Piazolo ging in seiner Festrede der Frage nach, was den guten Ruf der Realschule ausmache. Seine Antworten: Realschuldirektorinnen und -direktoren als Pädagogen im ursprünglichen Sinne stellen die Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt. Inklusion, Ganztag, Begabtenförderung und Sprachförderung gehören deshalb genauso selbstverständlich zur Schulart Realschule wie die Förderung der Teamfähigkeit, die Einbindung der gesamten Schulfamilie in Entscheidungsprozesse und die erweiterte Schulleitung als neue Führungskultur. Zu den besonderen „Pfründen der Realschule“ zählen zudem die vielfältigen Beziehungen der Realschulen zur heimischen Wirtschaft. Die Berufswahlkompetenz sei „beinahe so wichtig wie die Partnerwahlkompetenz“, so Piazolo. Viel Beifall fanden auch seine Worte, dass die Schulen keine Reparaturwerkstatt für alles, was in der Gesellschaft schief laufe, seien, auch wenn sich die Realschule ständig neuen Herausforderungen anpassen müsse. Dazu gehöre insbesondere die Digitalisierung, wobei die Technik der Pädagogik dienen müsse und nicht umgekehrt. Gute Führung sei nicht zuletzt an der Vorbildfunktion und der Werteorientierung festzumachen, insbesondere auch vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen der letzten Zeit. Schulleiter prägen Schulen. Was sie leisten, könne mit dem Tarif nicht abgedeckt werden, so Piazolo.

Prof. Dr. Peter Fischer, Lehrstuhlinhaber für Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Regensburg, vermittelte in seinem hochinteressanten, spannenden Festvortrag Kernpunkte humanistischer Führung. Gute Führung sei vor allem ein guter Plan, wie das kognitive und affektive System des Menschen, sein Denken und Fühlen, funktioniere. Die empirische Forschung bestätige z. B., dass Visionen genauso wichtig seien wie positive Haltungen und flache Führungsstrukturen. Wichtiger als Experte in einem Fach zu sein, sei Experte für Menschen zu sein, so sein Fazit.

Die Stellvertretende Landesvorsitzende, Realschuldirektorin Ingrid Meggl, betonte, dass die Realschule ein Erfolgsmodell sei und als Schulart mit Zukunft sehr geschätzt werde, da sie sozialen Aufstieg ermögliche und dem Fachkräftemangel entgegenwirke. Angesichts der vielfältigen Herausforderungen müssten junge Menschen fit für die Zukunft gemacht werden. Stärke und Erfolg der Realschule mache gerade aus, dass sie immer den Finger am Puls der Zeit habe. Sie würdigte die positiven Rahmenbedingungen und Verbesserungen insbesondere hinsichtlich der Unterrichtsversorgung und verband damit ihren Dank an den Staatsminister sowie Ministerialdirektor Herbert Püls und Ministerialdirigentin Elfriede Ohrnberger als Vertreter des Kultusministeriums. Gleichzeitig betonte Ingrid Meggl die Wichtigkeit, die richtungweisenden Maßnahmen weiterzuverfolgen. Die Herausforderungen zum Wohle der Schulart und der Schülerinnen und Schüler nehme man gerne und mit viel Herzblut an, dies könne jedoch nicht nur dem Idealismus der Verantwortlichen vor Ort geschuldet bleiben. Auch dem am Nachmittag in der Hauptversammlung neu zu wählenden Landesvorstand werde es Herzensauftrag und Verpflichtung sein, seine Tätigkeit im Sinne der Anliegen der Schulart und ihrer Schulleitungen weiterzuführen.

Musikalisch schwungvoll umrahmt wurde die Festversammlung durch beeindruckende Beiträge der Schülerinnen und Schüler der Albert-Schweitzer-Realschule Regensburg und der Edith-Stein-Realschule Parsberg.

(Verfasserin: Cornelia Klocke-Lipinski)